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Real digital: So werden wir morgen lernen.

Bildung ist der Schlüssel für eine prosperierende Zukunft. Ihr Gelingen hängt von vier Erfolgsfaktoren ab.

Franz Kühmayer

Trendforscher am Zukunftsinstitut
Foto: Zukunftsinstitut

Erstens: Wirtschaftlicher und auch gesellschaftlicher Erfolg hat immer
weniger mit Imitation zu tun und immer mehr mit Innovation. Längst geht es nicht mehr um die reine Vermittlung von Wissen und schon gar nicht um Konformität. Das Ergebnis von Bildungsprogrammen darf nicht länger eine Gruppe von Menschen sein, die gelernt haben, sich im bestehenden System bestmöglich zu bewähren, sondern die ertüchtigt und ermutigt wurden, die Systeme von morgen zu gestalten. Bildungsräume müssen somit inspirierende, anregende Orte sein – physisch aber auch virtuell – in denen nicht Erlernen und Wiederholen bestehenden Wissens im Mittelpunkt steht, sondern neugieriges Experimentieren und Erproben von Neuem.

Zweitens: Bildungseinrichtungen transzendieren Zeit und Raum. Wenn Content ubiquitär verfügbar ist, muss niemand mehr in die Schule, auf die Uni oder ins Schulungszentrum fahren, um Inhalte vermittelt zu bekommen. Stattdessen kann jeder Lernende sich die Inhalte im eigenen Lerntempo individuell aneignen, während Präsenzveranstaltungen dazu dienen, gemeinsam zu üben, zu reflektieren und zu vertiefen. Bildungseinrichtungen sind keine Tankstellen für Wissenserwerb mehr, sondern Kommunikationsdrehscheiben für gegenseitigen Austausch. Das verändert auch ihre Gestaltung, sie werden eher wie ein Kaffeehaus aussehen und weniger wie ein Theatersaal, in dem das Publikum frontal belustigt wird. Es verändert aber auch die Rolle der Lehrkraft: Von Inhaber:innen hermetisch geschützten Wissens, das im geeigneten Tempo an Schüler weitergegeben wird, zu Begleiter:innen forschender Menschen – vom Vortragenden zum Coach.

Drittens: Technologie bricht alles auf. Die Beschränkung der Schüler:innenzahlen pro Klasse hat im Präsenzunterricht ganz praktische Gründe. Digitalisierung kehrt dieses Prinzip ins Gegenteil. Der personalisierte Unterricht der Zukunft klappt besonders gut, wenn sich aufgrund massiver Teilnehmer:innenzahlen Skaleneffekte zur Analyse der Lernelemente ergeben. Die kühle Logik der Algorithmen hat aber noch einen weiteren Vorteil: Sie bringt uns näher zu unserer Menschlichkeit. Wenn die Steigerung kognitiver Fähigkeiten nicht mehr ausreicht, um das Rennen gegen die Maschinen zu gewinnen, dann werden unsere humanistischen Kompetenzen zum entscheidenden Faktor: Die Maschinen werden immer bessere Maschinen, daher müssen wir Menschen immer bessere Menschen werden. Gerade weil Digitalisierung immer stärker in die Bildung einfließt, wird Humanismus wieder wichtig und bringt uns von Ausbildung endlich zu Bildung.

Viertens: „Ich“ kann nur im Kontext mit „Wir“ funktionieren. Bildung vermittelt nicht nur Wissen und Kompetenzen, sondern vor allem das Wertesystem, auf dessen Basis die Zukunft entsteht. Wenn wir miteinander lernen, dann lernen wir auch voneinander und übereinander. Bildung ist einer der entscheidendsten Faktoren für ein gelingendes Zusammenleben, in Unternehmen sowie in der Gesellschaft. Die Förderung individuellen Potenzials muss daher eingebettet sein in erlebbare Werte. Neben fachlichen Kompetenzen sind Persönlichkeitsentwicklung und Sozialkompetenzen, die auf die verantwortungsbewusste Rolle des Einzelnen in der Gruppe und in der Gesellschaft abzielen, entscheidend. Denn für den Karriere- und Lebensverlauf ist nicht mehr nur herausragendes Fachwissen in einzelnen Fachdisziplinen wichtig, sondern die Gesamtpersönlichkeit.

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