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Die österreichische Bauwirtschaft spricht BIM

iStock/SireAnko

„Building Information Modeling“ (BIM) ist eine Sammlung von Normen für die Erstellung digitaler Gebäudemodelle. Österreich ist dabei derzeit weltweit führend und kann das ausgereifteste Regelwerk vorweisen.

Die Automobilindustrie ist in vielen Bereichen ein Vorläufer für viele neuartige Entwicklungs- und Produktionsprozesse. Um etwa ein Auto schnell entwickeln zu können, müssen mehrere Phasen und Schritte parallel verlaufen. Änderungen in einem Design-Bereich haben Auswirkungen auf andere, weshalb Modifikationen stets für alle Beteiligten nachvollziehbar sein müssen. Ermöglicht wird das durch Computer-Aided-Drawing (CAD) und Manufacturing (CAM), das ein virtuelles Abbild des Fahrzeugs entstehen lässt.

Digitale Gebäudemodelle sorgen für reibungslose Zusammenarbeit

Diese Technologien, kommen aber nicht mehr nur in der Fertigung von Automobilen, sondern auch bei Immobilien zum Einsatz. Ihre konsequenteste Verzahnung finden sie in der Gebäudedatenmodellierung oder kurz BIM. Es bezeichnet die mithilfe entsprechender Software optimierte Planung und Ausführung von Gebäuden. So entsteht ein intelligentes, digitales Gebäudemodell, das von allen Projektbeteiligten – vom Architektur- und Statikbüro über die Bauherren bis hin zu Haustechnik und Facility Manager – eingesehen und gemeinsam bearbeitet werden kann. Das garantiert optimalen Informationsaustausch und verständliche Kommunikation.

Ermöglicht wir das durch den Industriestandard „Drawing Interchange File Format“, der von allen relevanten Software-Anbietern unterstützt wird. In diesem ist festgelegt, wie grafische Daten abgelegt und Gebäudeinformationen ausgetauscht werden können. Das so entstehende Datenmodell hält alle relevanten Gebäudedaten bereit und vernetzt diese. Das erlaubt auch eine hochauflösende visuelle Darstellung von Projekten, die wiederum zu verständlichen Kommunikationsprozessen beiträgt. Den Anwendungsszenarien von BIM sind dabei keine Grenzen gesetzt: Sie gelten sowohl für den Hochbau als auch für raumbildende Konstruktionen des Tiefbaus.

Flexibleres und effizienteres Planen

Das Entstehen eines Bauprojekts wird dabei im Wesentlichen nicht verändert, aber deutlich systematischer und flexibler. Am Anfang stehen nach wie vor die Wünsche der Bauherren und der Entwurf eines Architekturbüros. Basierend auf diesen werden für die Ausführung benötigte Bau- und Konstruktionszeichnungen mittels CAD-Programmen angefertigt, um erforderliche Bauleistungen und entstehende Kosten ermitteln zu können. Bis dann ein Gebäude aber tatsächlich schlüsselfertig übergeben werden kann, kommt es häufig noch zu zahlreichen Anpassungen. In der klassischen Bauplanung verursachen diese einen großen Arbeits- und Koordinationsaufwand. Wer bei der Planung aber bereits auf das BIM setzt, kann diesen deutlich verringern.

Bei BIM führen Architekt oder Fachplaner Änderungen an der Projektdatei – dem Modell – durch. Sie sind dann sowohl als Zeichnung als auch als Datenpaket für alle Beteiligten sofort verfügbar. Diese Methode erlaubt es, Änderungen umgehend zu analysieren und neu zu berechnen. Selbst wenn sich wesentliche Merkmale des Gebäudes, etwa der Flächenbedarf, die Konstruktionshöhe oder der Grundriss ändern, können diese genau wie die Ausführung und die dadurch entstehenden Kosten rasch neu berechnet werden. Stücklisten, zum Beispiel von Türen und Fenstern, und Kalkulationen werden automatisch aktualisiert. Das erhöht Qualität und Produktivität des Planungsprozesses, was sich in niedrigeren Kosten, weniger Fehlern und einer termingerechten Fertigstellung einzelner Bauphasen niederschlägt.

So ist es wenig verwunderlich, dass BIM auch auf europäischer Ebene zunehmend an Bedeutung gewinnt. Bei der Entwicklung dieser Normen und Standards nimmt Österreich eine international führende Position ein: Know-how, von dem Bauherrn schon jetzt profitieren können.


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